Christian Muscheid

ZEITGENÖSSISCH KONKRET
Christian Muscheid hat als Mitglied der Künstlergruppe Super+, ein beeindruckendes Kunstprojekt auf der Insel Mauritius realisiert. Die Performance „Der Flug des Phoenix“ ist eine wiederkehrende Aktion und eine temporäre, überdimensionale, Skulptur, die sowohl visuell als auch auditiv funktioniert und in Verbindung mit ihrer „natürlichen“ Umgebung ob in München, in Paris oder auf Mauritius spektakulär wirkt. Dies ist eines von vielen interessanten Projekten, die Christian Muscheid als Teil der kreativen Gruppe oder als  eigenständiger Maler  verwirklicht. 

Schon in wenigen Tagen zeigt er in einer Einzelausstellung bei Stefan Vogdt/Galerie der Moderne seine neuen, überwiegend malerischen Werke.

Zeitgenössisch Konkret, der  Titel der Ausstellung deutet darauf hin, dass wir es hier mit einer aktuellen, zeitgemäßen Interpretation der Konkreten Kunst zu tun haben werden. Jener Konkreten Kunst, welche auf streng-geometrischer Grundlage und Formgebung beruht, welche auf die rein sinnliche Wahrnehmung  zielt und so auch erlebbar ist. Oft und irrtümlicherweise wird Konkrete Kunst  mit Abstraktion verwechselt. Der Unterschied ist jedoch maßgeblich. Die Kompositionen konkreter Kunst veranschaulichen das Immaterielle und das Geistige und abstrahieren nicht das Reale und Gegenständliche,  wie es in der Abstrakten Kunst der Fall ist. So schrieb Max Bill im Jahr 1949 im Vorwort zum Katalog der Ausstellung Zürcher konkrete Kunst: „[...] Das Ziel der konkreten Kunst ist es, Gegenstände für den geistigen Gebrauch zu entwickeln, ähnlich wie der Mensch sich Gegenstände schafft für den materiellen Gebrauch. […] konkrete Kunst ist in ihrer letzten Konsequenz der reine Ausdruck von harmonischem Maß und Gesetz. Sie ordnet Systeme und gibt mit künstlerischen Mitteln diesen Ordnungen das Leben. [...]“

Die künstlerischen Mittel, von denen hier die Rede ist, meinen ein beinahe perfektes Zusammenspiel der Linien, Flächen und Farben, welche in einer klaren symmetrischen Ordnung, nach Prinzipien der Geometrie, Symmetrie und Harmonie funktionieren.

Christian Muscheids neuer und eigenständiger Weg in dieser Richtung zeichnet sich einerseits mit einer angedeuteten Verspieltheit, anderseits mit einem Augenzwinkern  - sei es in Kombination der Farben oder  in der „Milderung“ der geometrischen Form - als Ausdrucksmittel aus.  

So ist das Titelbild der Ausstellung „Frankfurt“ strenggenommen ein Neologismus der Geometrie, allerdings legt der Künstler Wert darauf, dass seine neuen Formkonstruktionen universell verstanden werden, unabhängig von kulturellen Prägungen, Sehgewohnheiten, Vorwissen und Vorurteilen. Rein sinnlich eben. 

Tinatin Ghughunishvili-Brück
Kunsthistorikerin M.A.