Yamamoto Masao

Unberührte Natur, filigrane Vögel in geheimnisvollen Szenerien stehen im Mittelpunkt von Yamamoto Masaos kleinformatigen Schwarzweißfotografien. Oft wirken sie abgenutzt und verblasst. Damit unterstreicht der Künstler den unscheinbaren Charakter von wichtigen Momenten, die im alltäglichen Leben leicht übersehen werden: „Small Things in Silence“, so heißt deshalb eine seiner kürzlich erschienenen Publikationen.

Formate und Motive wiedersetzen sich westlichen Sehgewohnheiten. Anstelle farbenprächtiger Großformate setzt der Fotograf auf Ausschnitte, deren klare Formensprache philosophische Tiefe bergen. Stark beeinflusst von der Zen- Philosophie Japans, verweist der Künstler in seinen Fotografien auf die Einheit von Mensch und Natur, auf die Zerbrechlichkeit des Schönen und die Vergänglichkeit. Darin wird für ihn der Fluss des Lebens sichtbar.

Jedes Bild ist ein Unikat. Die Handabzüge sind teilweise getönt oder mit Goldsprenkeln versehen, an den Kanten bemalt, oder entlang einer Seite eingerissen. Es liegt nahe, dass der Künstler am Anfang seiner Laufbahn Maler war, beginnt sich doch in seiner Arbeit die Grenze zwischen Malerei und Fotografie aufzulösen. Damit steht sie im Kontrast zur maschinellen Serienproduktion, die das Medium sonst bestimmt. Er lässt seine eigene Handschrift sichtbar werden, gibt etwas Persönliches preis und stellt damit eine besondere Nähe zum Betrachter her.

Unter dem Titel Tori – dem japanischen Wort für „Vogel“ – werden die neusten Werke von Yamamoto Masao in der Galerie Stefan Vogdt gezeigt. In frühen Kindheitserinnerungen verankert, zeigen sie die Faszination des Künstlers für die Kreaturen der Lüfte, war doch deren Fähigkeit zu fliegen, seit jeher Sehnsucht des Menschen.

Vögel jeglicher Art nehmen in den Bildkompositionen Yamamoto Masaos eine zentrale Rolle ein und sind dabei weniger Naturstudie, als vielmehr ein metaphorischer Verweis. Während stolze Greifvögel die Bildkomposition dominieren, Eulen im zarten Federkleid in subtiler Eleganz erscheinen, haftet dem Blick auf die schwebenden

Körper der Schreitvögel der Gedanke an die Zerbrechlichkeit und Kostbarkeit des Lebens an. In dieser Dialektik, in den Nuancen des Daseins dieser Lebewesen, versucht sich Yamamoto Masao auf ästhetische Art und Weise den tiefen Wahrheiten des Lebens zu nähern. Der Einblick in die Lebenswelt der Tiere lässt erkennen, dass sie der menschlichen gar nicht so fremd ist. Auch der Mensch ist nur ein kleiner Teil der Natur und existiert nicht ohne sie.

Mit seinen kostbaren und gleichzeitig puristischen Fotografien verweist Yamamoto Masao auf das Transzendentale im Natürlichen.